Die Metall- und Elektroindustrie ist eines der Herzstücke der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen und die Branche mit den meisten Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der IG Metall. Die IG Metall Nordrhein-Westfalen führt die Tarifverhandlungen für rund 700.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Zur Metall- und Elektroindustrie gehört auch die Autobranche. Hier ist die IG Metall besonders gut aufgestellt. Bei den Fordwerken in Köln etwa ist der größte Teil der Beschäftigten Mitglied der IG Metall.
Aber auch der Maschinenbau, Exportmotor der deutschen Wirtschaft, gehört zur Metall- und Elektroindustrie. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt mit vielen kleineren und mittleren Betrieben – und mit vielen organisierten Metallerinnen und Metallern.
Tarifkommission der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie beschließt Forderung für die Tarifbewegung 2026
Die Tarifkommission der IG Metall NRW für die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie hat ihre Forderung für die anstehende Tarifbewegung beschlossen. Sie fordert eine Erhöhung der Entgelte und Auszubildendenvergütung um 5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Darüber hinaus sollen die Themen Beschäftigungs- und Standortsicherung, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen Gegenstand der Verhandlungen werden. Diese Forderung wird an den Vorstand der IG Metall übermittelt. Dieser wird am 23. September die Forderung für die gesamte IG Metall beschließen.
In den Forderungsbeschluss sind neben der intensiven Diskussion in der Tarifkommission auch die Ergebnisse aktueller Beschäftigten- und Betriebsrätebefragungen eingeflossen.
So zeigt sich die wirtschaftliche Lage in den nordrhein-westfälischen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Spätsommer 2026 insgesamt etwas robuster als noch im Frühjahr. Das ist das Ergebnis der aktuellen Betriebsrätebefragung der IG Metall NRW, an der sich 884 Betriebsräte beteiligt haben. Die zentralen Wirtschaftsindikatoren entwickeln sich überwiegend positiv, wenn auch nur leicht. Bei den Auftragseingängen bewerten inzwischen 54 Prozent der Befragten die Situation als gut oder sehr gut. Im Frühjahr lag dieser Wert noch bei 52 Prozent. Auch bei den Auftragsbeständen und der Kapazitätsauslastung zeigen sich leichte Verbesserungen. Die Kapazitätsauslastung wird mittlerweile von 59 Prozent der Betriebsräte als gut oder sehr gut eingeschätzt. Im Frühjahr waren es noch 56 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Einschätzung zu Gewinnen und Investitionen leicht verbessert.
Ein Frühindikator für eine bessere wirtschaftliche Entwicklung ist zudem der Ausbau von Leiharbeit. 16 Prozent der Betriebe bauen Leiharbeitsplätze auf, während nur noch 14 Prozent einen Abbau melden. Im Frühjahr überwog noch deutlich der Rückgang.
„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen und die Transformation der Industrie aktiv mitgestaltet. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie an den wirtschaftlichen Verbesserungen beteiligt werden. Gleichzeitig brauchen die Menschen mehr Sicherheit für ihre Arbeitsplätze und Perspektiven für ihre Standorte“, erklärte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer.
Denn die Beschäftigungssicherung bleibt eine zentrale Herausforderung. In zahlreichen Betrieben wurden in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut oder weitere Personalreduzierungen angekündigt. Die Befragungsergebnisse zeigen aber, dass Personalabbau vielfach nicht allein Folge wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist. Denn gleichzeitig sehen viele Betriebsräte weiterhin Defizite bei Investitionen in Standorte und Zukunftsprodukte. Fast die Hälfte der Befragten bewertet die Investitionstätigkeit ihres Unternehmens als unzureichend.
„Die wirtschaftliche Entwicklung darf nicht dazu genutzt werden, Beschäftigte weiter unter Druck zu setzen oder Standorte auszubluten. Wo die Geschäfte wieder anziehen, müssen Investitionen, sichere Arbeitsplätze und faire Einkommen im Mittelpunkt stehen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass wirtschaftliche Erfolge nicht allein bei den Unternehmen verbleiben“, betonte Giesler.
Auch eine Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich in NRW rund 43 000 Menschen aus 650 Betrieben beteiligt haben, stützt die Forderung der IG Metall.
Die Befragung macht deutlich: Entgelt, Beschäftigungssicherung und soziale Sicherheit stehen für die Beschäftigten gleichermaßen im Mittelpunkt. Mit 70,8 Prozent nennen die Befragten gestiegene Lebensmittelpreise als eines ihrer wichtigsten aktuellen Themen. Auch die Absicherung im Alter (60,3 Prozent), steigende Gesundheitskosten (58,7 Prozent), die Zukunft des eigenen Betriebs (56,5 Prozent) sowie die Sicherheit des Arbeitsplatzes (54,4 Prozent) bewegen die Beschäftigten stark.
Entsprechend klar sind die Erwartungen an die Tarifrunde. Etwa die Hälfte der Befragten halten eine moderate (49,7 Prozent) für angemessen. Eine kräftige Entgelterhöhung erwarten 35,3 Prozent. Lediglich 15 Prozent sprechen sich für eine kleine oder gar keine Entgelterhöhung aus.
„Für die IG Metall NRW zeigen die Ergebnisse, dass die Beschäftigten keine pauschalen Sparappelle erwarten. Vielmehr benötigen die unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen in den Betrieben differenzierte tarifpolitische Antworten. Wo Unternehmen gut dastehen, erwarten die Beschäftigten eine faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg. In schwierigen Situationen stehen Beschäftigungs- und Standortsicherung im Vordergrund“, sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW.
Weitere Zeitleiste:
23. September 2026: Forderungsbeschluss durch den Vorstand der IG Metall
07. Oktober 2026: Erste Verhandlung in NRW
31. Oktober 2026: Ende der Friedenspflicht
Metallnachrichten Nr.2
Bernd Kupilas und Gregor Josten
Ab jetzt rollt der Tarifzug
Start in die Tarifrunde 2026
Die IG Metall ist mit einer bundesweiten Liveschaltung aller Tarifkommissionen in den sieben Bezirken in die Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Der selbstbewusste Auftakt sorgt für Aufbruchstimmung. Gut so, denn die allgemeine Konjunkturschwäche und die äußerst unterschiedlichen Situationen in den Betrieben machen diese Tarifrunde zu einer besonderen.
Einstimmig beschlossen die sieben Tarifkommissionen, die bestehenden Entgelttarifverträge
zu kündigen. Damit ist der Weg frei für die Aufstellung einer neuen Forderung, für Verhandlungen mit den Arbeitgebern, möglicherweise für Arbeitskampf – und schlussendlich für einen erfolgreichen Abschluss.
Aktuelle Informationen zur wirtschaftlichen Lage in der Branche, ein Interview mit Knut Giesler, Stimmen aus dem Vorstand und den Betrieben sowie einen Ausblick zur Terminplanung findet ihr in der aktuellen Ausgabe der Metallnachrichten.
Metallnachrichten Nr. 1
Tarifabschluss November 2024:
Mehr Geld und mehr Optionen für mehr freie Zeit für die Beschäftigten
Der aktuelle Tarifabschluss wurde im November 2024 erzielt. Nach dem Pilotabschluss in Hamburg, den die IG Metall-Bezirke Küste und Bayern erreicht haben, gab es auch ein Ergebnis für die Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen.
Demnach erhalten die rund 700.000 Beschäftigten in NRW in zwei Stufen mehr Geld: 2,0 Prozent ab 01.04.2025 und weitere 3,1 Prozent ab 01.04.2026. Bis spätestens Februar 2025 gibt es eine Einmalzahlung von 600 Euro. Auszubildende bekommen ab 01.01.2025 dauerhaft 140 Euro mehr und 3,1 Prozent mehr ab 01.04.2026. Das tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG B), eine jährliche Sonderzahlung, steigt ab 2026 von bisher 18,5 Prozent des Eckentgelts auf 26,5 Prozent. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. Oktober 2026 ohne nachlaufende Friedenspflicht.
Darüber hinaus wurden Verbesserungen bei der tariflichen Freistellungszeit vereinbart. So haben ab 2025 auch Teilzeitbeschäftigte die Möglichkeit, mehr Zeit, statt Geld zu wählen. Zudem sind auch Eltern mit Kindern unter 12 (bisher unter acht Jahren) anspruchsberechtigt. Die bisherige Option bei Pflege und Kindern, zweimal Geld gegen acht zusätzliche freie Tage zu tauschen, wird erweitert. So kann in Zukunft weitere drei Mal Geld gegen sechs zusätzliche freie Tage getauscht werden.
Für Betriebe, die eine Nettoumsatzrendite von 2,3 Prozent oder weniger haben, gibt es die Möglichkeit das sogenannte Transformationsgeld (T-Geld), das 18,4 Prozent eines Monatsentgeltes beträgt, zu verschieben, zu kürzen oder zu streichen.
Darüber hinaus haben die Tarifpartner sich darauf verständigt, im Rahmen einer gemeinsamen Arbeitsgruppe „Förderung der Ausbildungsfähigkeit“ Maßnahmen zu entwickeln, die sich der Stärkung und Förderung von Kompetenzen junger Menschen widmen. Damit soll ihre Ausbildungsfähigkeit erhöht und der Zugang in Ausbildung erleichtert werden.
Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer: „Die Sozialpartnerschaft in NRW hat in schwierigen Zeiten wieder bewiesen, dass sie in der Lage ist zu guten Kompromissen zu kommen. Die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütung und ein perspektivisch erleichterter Zugang hilft den jungen Menschen und sie hilft den Betrieben im Wettbewerb um Fachkräfte. Das gilt auch für die Verbesserungen bei den Freistellungstagen. Die Entgelterhöhung sichert in die Kaufkraft der Beschäftigten.“
Giesler wies auch darauf hin, dass das Ergebnis durch die Erhöhung des T-Zug B eine soziale Komponente erhalte: „In NRW bedeutet das eine Erhöhung von derzeit rund 580 Euro auf rund 847 Euro. Weil dieser Festbetrag für alle Entgeltgruppen gleich ist, profitieren die unteren Entgeltgruppen davon stärker als von einer Tabellenerhöhung im gleichen Volumen. Wir haben erreicht, dass die Beschäftigten dauerhaft und nicht nur einmal von der sozialen Komponente profitieren.“
Möglich wurde der Abschluss durch den enormen Druck der Beschäftigten. In den vergangenen zwei Wochen haben 81 554 Beschäftigte aus 799 Betrieben in NRW die Forderungen der IG Metall mit Warnstreiks und anderen Aktionen unterstützt. "Für dieses großartige Engagement möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Ohne das, hätte es keine Bewegung am Verhandlungstisch gegeben“, so Giesler.