IG Metall NRW bekräftigt Forderung nach 5 Prozent mehr Entgelt
Die erste Verhandlung für die Beschäftigten der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie ist heute ohne ein Angebot der Arbeitgeber zu Ende gegangen. Die IG Metall NRW hat ihre Forderung nach einer Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten ausführlich begründet und deutlich gemacht, warum die Beschäftigten jetzt eine faire Beteiligung an der wirtschaftlichen Entwicklung erwarten.
„Die Arbeitgeber haben heute kein Angebot vorgelegt. Das ist angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und der Leistungen der Beschäftigten enttäuschend“, sagte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben in schwierigen Jahren Verantwortung übernommen und erwarten nun zu Recht ein deutliches Signal der Anerkennung.“
Die IG Metall verweist dabei auf mehrere Entwicklungen, die ihre Forderung untermauern:
Erstens hellt sich die wirtschaftliche Lage der Industrie spürbar auf. Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für 2026 überwiegend nach oben korrigiert. Wachstum und Zuversicht kehren zurück, das Ifo-Geschäftsklima hat sich deutlich verbessert und die Exportnachfrage zeigt sich robust.
Zweitens haben die Beschäftigten weiterhin erheblichen Bedarf bei der Kaufkraft. Die Reallohnverluste der Jahre 2021 bis 2023 sind trotz der jüngsten Lohnsteigerungen noch nicht vollständig ausgeglichen. In der Metallindustrie liegt die Kaufkraft nach wie vor deutlich unter dem Vorkrisenniveau.
Drittens sind die Lohnkosten nicht die Ursache der aktuellen Herausforderungen der Industrie. Arbeitskosten machen lediglich 16,9 Prozent der Gesamtkosten eines Industrieprodukts aus. Gleichzeitig haben sich die Lohnstückkosten im internationalen Vergleich über viele Jahre weitgehend stabil entwickelt.
Viertens berichten die Betriebsräte in einer aktuellen Umfrage der IG Metall von einer fortgesetzten Verbesserung der betrieblichen Situation. 62 Prozent der Betriebe melden eine gute oder sehr gute Auslastung ihrer Produktionskapazitäten. Zudem zeigen Frühindikatoren am Arbeitsmarkt, wie zum Beispiel die Ausweitung der Leiharbeit, erste Anzeichen einer Stabilisierung.
„Die Beschäftigten haben mit ihrem Engagement, ihrer Flexibilität und ihrer Leistung wesentlich dazu beigetragen, dass die Branche wieder Tritt fasst. Jetzt müssen sie auch angemessen an der positiven Entwicklung beteiligt werden“, so Giesler.
Neben der Entgeltforderung will die IG Metall in dieser Tarifrunde auch über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sprechen, sowie über eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Betrieben und eine soziale Komponente zur Stärkung unterer Entgeltgruppen.
Die Arbeitgeber sind nun aufgefordert, in der nächsten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht mehr Respekt für ihre Leistung und eine spürbare Stärkung ihrer Kaufkraft.
Die zweite Verhandlung findet am 27. Oktober 2026 statt.