Gemeinsame Presse-Info der IG Metall NRW und des Betriebsrats HKM HKM hat Zukunft - Salzgitter übernimmt Verantwortung für industrielle Arbeit in Duisburg

IG Metall und Betriebsrat: Nicht Arbeitsplatzabbau ist die eigentliche Nachricht - sondern der Erhalt industrieller Substanz, hochwertiger Arbeitsplätze und einer Zukunftsperspektive für grünen Stahl im Duisburger Süden.

Stahlarbeiter in einem Stahlwerk


IG Metall und Betriebsrat: Nicht Arbeitsplatzabbau ist die eigentliche Nachricht - sondern der Erhalt industrieller Substanz, hochwertiger Arbeitsplätze und einer Zukunftsperspektive für grünen Stahl im Duisburger Süden.

 

Seit gestern ist die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH im Duisburger Süden eine hundertprozentige Tochter der Salzgitter AG. Damit endet für die Beschäftigten der HKM eine jahrelange Phase der Unsicherheit. IG Metall und Betriebsrat bewerten die Übernahme als mutige unternehmerische und industriepolitisch wichtige Entscheidung für Duisburg, Nordrhein-Westfalen und den Stahlstandort Deutschland.

Am heutigen Tag kam zudem der Aufsichtsrat der HKM zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Bestellung von Andreas Betzler zum neuen Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung sowie eine richtungsweisende Investitionsentscheidung für die Zukunft des Standortes. Nach Einschätzung von IG Metall und Betriebsrat handelt es sich dabei um eines der bedeutendsten industriellen Transformationsprojekte in Nordrhein-Westfalen.

„Wer jetzt nur von Arbeitsplatzabbau spricht, greift viel zu kurz und erzählt nicht die ganze Wahrheit“, erklärt Karsten Kaus, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Duisburg-Dinslaken. „Die Alternative zu diesem Fortführungskonzept wäre nicht eine bessere HKM gewesen, sondern im schlimmsten Fall die Schließung des Standortes. Jetzt bleiben am Ende rund 1.100 hochwertige Industriearbeitsplätze erhalten. Das ist ein starkes Signal für Duisburg und für das Industrieland NRW.“

Mit der Übernahme durch Salzgitter erhält HKM eine langfristige industrielle Perspektive. Am Standort im Duisburger Süden sollen künftig weiterhin hochwertige Stähle produziert werden - auch für anspruchsvolle Anwendungen und den Sicherheitsbereich. Zugleich schafft die geplante Transformation mit einem Elektrolichtbogenofen die Grundlage dafür, dass grüner beziehungsweise CO₂-ärmerer Stahl in Duisburg produziert werden kann.

„Wir reden hier nicht über irgendeine Modernisierung, sondern über eines der bedeutendsten industriellen Transformationsprojekte in Nordrhein-Westfalen“, ordnet Thomas Hay, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender ein. „Dass die Salzgitter AG diesen Weg geht, ist ein starkes Signal: für Duisburg, für die Beschäftigten und für den Industriestandort NRW. Hier wird nicht abgewickelt, hier wird investiert. Hier wird industrielle Zukunft geschaffen.“


IG Metall und Betriebsrat betonen, dass es bei HKM nicht nur um Zahlen geht. Die HKM existiert in ihrer heutigen Form als eigenständige GmbH seit 1990. Die industriellen Wurzeln des Standortes im Duisburger Süden reichen sogar bis ins Jahr 1909 zurück. Über Generationen sind hier industrielle Kompetenz, Fachwissen, Ausbildung und Wertschöpfung entstanden.

„Wo industrielle Arbeitsplätze einmal verschwinden, entstehen sie nicht einfach wieder neu“, erklärt Hay. „Wo wir aber industrielle Substanz erhalten, schaffen wir auch die Voraussetzung für neue Perspektiven. Genau darum ging es uns von Anfang an.“

IG Metall und Betriebsrat hatten sich in den vergangenen Jahren intensiv für eine Fortführung der HKM eingesetzt. Nach der Kündigung des Liefervertrages durch Vallourec im Dezember 2022 und der späteren Kündigung durch thyssenkrupp Steel Europe im April 2025 stand die Zukunft des Standortes massiv unter Druck. Gemeinsam mit der Belegschaft sei immer wieder deutlich gemacht worden, welche industrielle Bedeutung HKM für Duisburg und NRW hat.

„Die Kolleginnen und Kollegen bei HKM haben mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrer Leistungsfähigkeit immer wieder gezeigt, was in diesem Standort steckt“, sagt Marco Gasse, Betriebsratsvorsitzender der HKM. „Für die Belegschaft endet jetzt eine jahrelange Hängepartie. Die Unsicherheit war groß. Umso wichtiger ist: Es gibt jetzt eine klare Perspektive. HKM bleibt. Und HKM bekommt eine Zukunft.“

Auch die IG Metall habe ihren Einfluss auf allen Ebenen geltend gemacht - im Unternehmen, im Konzern, gegenüber der Öffentlichkeit sowie gegenüber der Politik. Es habe einen ständigen Austausch mit den zuständigen Ministerien im Land Nordrhein-Westfalen und im Bund gegeben.

„Die Zukunft der HKM war nie nur eine betriebliche Frage. Sie war immer auch eine industriepolitische Frage“, betont Kaus. „Es ging um Duisburg, um NRW, um Stahlproduktion in Deutschland und um die Frage, ob Transformation mit industrieller Substanz gelingt oder ob sie durch Rückzug und Abwicklung ersetzt wird.“

Ausdrücklich würdigen IG Metall und Betriebsrat die Entscheidung der Salzgitter AG. In einer Zeit, in der vielerorts über Risikoabbau, Standortschließungen und Rückzug gesprochen werde, übernehme Salzgitter Verantwortung für einen traditionsreichen Industriestandort.

„Die Salzgitter AG zeigt hier unternehmerischen Mut“, so Hay. „In Zeiten, in denen viele Menschen das Gefühl haben, in Deutschland breche industriell alles weg, ist diese Entscheidung ein starkes Gegenbeispiel. Häufig ist das Gefühl düsterer als die Realität. Bei HKM erleben wir jetzt, dass mutige Entscheidungen Realität verändern können. Das freut uns sehr.“

IG Metall und Betriebsrat sehen die HKM künftig als Teil eines starken Verbundes mit der Salzgitter Flachstahl GmbH und der Peiner Träger GmbH. Ziel müsse ein starkes Miteinander innerhalb der Salzgitter AG sein. Die HKM wird das Produktportfolio der Salzgitter AG sinnvoll ergänzen und einen wichtigen Beitrag zur Zukunft des Konzerns leisten. Gleichzeitig machen IG Metall und Betriebsrat deutlich, dass der eingeschlagene Weg für die Beschäftigten anspruchsvoll bleibt. Der Umbau der HKM wird Veränderungen mit sich bringen. Entscheidend sei aber, dass die Zukunft des Standortes nicht mehr unter dem Vorzeichen der Schließung steht, sondern unter dem Vorzeichen der industriellen Weiterentwicklung.

„Natürlich wissen wir, dass der Weg hart wird“, sagt Gasse. „Aber entscheidend ist: HKM bleibt. Wir erhalten gute Industriearbeitsplätze, hochwertige Ausbildungsplätze und eine industrielle Zukunft im Duisburger Süden. Dafür haben wir gemeinsam gekämpft.“

IG Metall und Betriebsrat werden den weiteren Prozess konstruktiv, kritisch und wachsam begleiten. Im Mittelpunkt stehen dabei gute Arbeit, faire Lösungen für die Beschäftigten, sichere Perspektiven, Ausbildung und eine erfolgreiche Transformation der HKM.

„Jetzt kommt es darauf an, gemeinsam am Erfolg dieses Zukunftskonzeptes zu arbeiten“, so Hay. „Betriebsrat, IG Metall, Belegschaft, Geschäftsführung und Salzgitter AG müssen jetzt am gleichen Ende des Seils ziehen. Für die HKM. Für Duisburg. Für Industriearbeitsplätze. Und für eine Zukunft, die diese Belegschaft verdient hat.“